Geplante Schließung der hessischen Impfzentren zum 30.09.2021: SPD-Bundes‑ und Landtagsabgeordnete der Region: „Ende im Herbst ist verfrüht“

„Die schwarzgrüne Landesregierung betreibt offensichtlich Corona-Politik nach Kassenlage.“ So kritisieren die SPD-Bundes‑ und Landtagsabgeordneten aus der Region Kassel, Esther Dilcher, Timon Gremmels, Manuela Strube und Oliver Ulloth, den Plan, die hessischen Impfzentren zum 30. September zu schließen. „Mit dieser voreiligen Entscheidung sendet die Landesregierung ein fatales Signal an tausende Menschen, die sich impfen lassen wollen, aber noch keinen Termin erhalten haben“, betonen die SPD-Politiker. „Schwarzgrün glaubt offensichtlich, den weiteren Verlauf der Impfkampagne zuverlässig vorhersagen zu können. Dabei haben alle im Laufe der Corona-Pandemie erkennen müssen, wie viele Unwägbarkeiten es auf dem Weg zu einem umfassenden Impfschutz der Bevölkerung gibt.“ Als bislang einziges Bundesland wolle Hessen diesen falschen Weg einschlagen, und es entstehe der Eindruck, es gehe in erster Linie um das Einsparen von Betriebskosten. „Seit Ende der Priorisierung haben sich in Hessen 144.000 Personen in einem Impfzentrum angemeldet. Gleichzeitig gibt es noch rund 433.000 Personen, die den bisherigen Priorisierungsgruppen angehören, auf der Warteliste stehen und bislang nicht geimpft sind [Stand 11.06.2021]. Dabei hatte die Landesregierung versprochen, dass Anfang Juni die ersten beiden Prioritätengruppen durchgeimpft seien.“ Die hessischen Impfzentren hätten also noch reichlich zu tun. Auch sei denkbar, dass zum Ende des Jahres Auffrischungsimpfungen notwendig werden. „Zudem kann niemand sicher sagen, dass die Hausärztinnen und Hausärzte ab Oktober keine Entlastung durch die Zentren mehr brauchen!“ Zurecht hätten sich auch Hausärzte aus der Region kritisch zu den Schließungsplänen geäußert [s. z. B. HNA Wolfhagen vom 16.06.2021].

Wenn die Landesregierung tatsächlich jedem im Zentrum Erstgeimpften dort auch die Zweitimpfung ermöglichen wolle, müssten die Zentren schon sechs Wochen vor der Schließung, also bereits im August, die Erstimpfungen einstellen. „Uns stellt sich die Frage, ob die hessischen Hausärzte mitten in den Sommerferien das komplette Impfprogramm übernehmen können.“

„Wir halten den Beschluss der schwarzgrünen Landesregierung für voreilig und unterstützen einen Initiativantrag zum Erhalt, über den am kommenden Samstag beim Landesparteitag der Hessen-SPD im Offenbacher Stadion abgestimmt werden wird. Niedrigschwellige Angebote müssen erhalten bleiben und auch die Menschen mit schlechter hausärztlicher Versorgung dürfen nicht aus dem Blick geraten.“ Abschließend machen die Abgeordneten darauf aufmerksam, dass die bayerische Landesregierung für den Erhalt der Impfzentren als langfristige Rückfalloption für Auffrischungen und Neu-Impfungen eintritt. „Hessen will da offenbar einen anderen Weg gehen – zu Lasten der Bürgerinnen und Bürger!“